Therapie
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Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Morbus Fabry?
Morbus Fabry ist bis heute nicht heilbar, doch es gibt Therapien, die Beschwerden verringern und ein Fortschreiten der Krankheit verlangsamen bzw. verhindern können. Je früher die Diagnose erfolgt und damit auch die Therapie beginnt, umso besser sind die Chancen diese Ziele zu erreichen. Zudem sind regelmäßige Kontrollen erforderlich, um die Wirkung der Behandlung beurteilen und, falls nötig, Anpassungen vornehmen zu können.1 Welche Untersuchungen dazu durchgeführt werden und wie oft die Kontrolltermine erfolgen sollten, können Sie unter Verlauf und Prognose nachlesen.
Bei der Therapie werden in der Regel zwei Herangehensweisen miteinander kombiniert: zum einen die Behandlung der Krankheitsursache (Enzymersatztherapie, Chaperontherapie) und zum anderen die Behandlung der Beschwerden und möglicher Komplikationen (Begleittherapie).
Was sind die Ziele der Behandlung?
Im Allgemeinen werden mit der Therapie mehrere Ziele verfolgt. So sollen Symptome gelindert und bleibende Organschäden verhindert werden. Damit wird eine Verbesserung der Lebensqualität und nicht zuletzt eine Verlängerung der Lebenserwartung angestrebt. Je nach der Verlaufsform und dem Stadium der Erkrankung sowie der individuellen Situation der Patient*innen sollten die Ziele jedoch ganz persönlich angepasst werden.1
Da die Symptome, Folgeerkrankungen und Komplikationen von Morbus Fabry viele Organe betreffen können, besteht das Behandlungsteam in den Fabry-Zentren aus Expert*innen unterschiedlicher Fachrichtungen. Diese haben sich beispielsweise auf Erkrankungen des Herzens, der Nieren, der Nerven oder des Verdauungstraktes spezialisiert. Auch Fachkräfte aus dem Gebiet der Psychologie und Genetik gehören zu einem solchen multidisziplinären Team.2 Gemeinsam mit dem*der Patient*in und ggf. Angehörigen wird über die Therapiemöglichkeiten beraten und ein Behandlungsplan erstellt. Dabei sollten sowohl die Vorteile als auch mögliche Herausforderungen einer Therapie berücksichtigt werden.1
Was ist eine Enzymersatztherapie?
Die Enzymersatztherapie (EET) ist eine tragende Säule bei der Behandlung von Menschen mit Morbus Fabry. Sie bekämpft direkt die Ursache der Erkrankung, d. h. den Mangel am Enzym Alpha-Galaktosidase A (α-GalA). Patient*innen mit Morbus Fabry weisen eine unzureichende oder sogar fehlende Aktivität dieses Eiweißes auf, das für den Abbau bestimmter Fettstoffe (Gb3 und Lyso-Gb3) in den Zellen verantwortlich ist. Nähere Informationen hierzu können unter Fabry im Überblick nachgelesen werden. Bei der EET erhalten die Betroffenen eine künstlich hergestellte, funktionstüchtige α-GalA. Diese sorgt dafür, dass eine weitere Ansammlung der Fettstoffe verhindert und bereits abgelagertes Gb3 und Lyso-Gb3 reduziert wird.3
Für Patient*innen mit Morbus Fabry sind in Europa seit 2001 drei ERTs zugelassen. Studien zeigten, dass eine EET die Beschwerden reduzieren, die Lebensqualität verbessern, ein Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und das Risiko für Komplikationen senken kann.4-10 Auch betroffene Kinder können von einer EET profitieren.11,12
Welche Besonderheiten gibt es bei der Anwendung der EET?
Die EET muss ein Leben lang angewendet werden, da bei einer Unterbrechung das funktionstüchtige Enzym fehlen und sich die Fettstoffe erneut ansammeln würden. Das künstlich hergestellte Enzym wird per Infusion in eine Vene gegeben. Die Infusion dauert zwischen 40 Minuten und vier Stunden und muss alle zwei Wochen wiederholt werden.13 Es ist wichtig, diesen Rhythmus einzuhalten und keine Infusion auszulassen, da der Wirkstoff im Körper abgebaut wird und das Enzym dem*der Patient*in bei einer Therapieunterbrechung fehlen würde. Derzeit wird untersucht, ob eine neue EET in einer höheren Dosierung im Abstand von vier Wochen verabreicht werden kann.14 Die ersten Infusionen werden in der Regel in spezialisierten Behandlungszentren verabreicht, anschließend kann die Behandlung in der örtlichen Klinik oder der Hausarztpraxis durchgeführt werden. Sogar eine Infusion zu Hause ist möglich. Bei dieser sogenannten Heiminfusion wird das Arzneimittel nach Hause geliefert und dort durch eine speziell ausgebildete medizinische Fachkraft verabreicht. In Einzelfällen ist es möglich, dass Patient*innen oder Angehörige nach einer ausführlichen Einweisung die Infusion selbstständig durchführen.13 Die Möglichkeit der Heiminfusion bietet den Betroffenen zahlreiche Vorteile und trägt zur Verbesserung der Lebensqualität bei.15
Welche Nebenwirkungen können bei der EET auftreten?
Medizinische Behandlungen sind immer auch mit einem Risiko für unerwünschte Reaktionen oder Nebenwirkungen verbunden. Bei der EET werden am häufigsten (bei mehr als einer von zehn Personen) sogenannte infusionsbedingte Reaktionen beobachtet.16,17 Diese können während der Infusion oder kurz danach auftreten. Häufig werden sie innerhalb der ersten zwei bis vier Monate nach Beginn der EET beobachtet. Zu diesen Reaktionen gehören Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Husten, Atembeschwerden und Müdigkeit. In den meisten Fällen sind diese Nebenwirkungen leicht bis mäßig ausgeprägt. In manchen Fällen kann es aber auch zu schwereren unerwünschten Reaktionen kommen. Infusionsbedingten Reaktionen kann mithilfe von Medikamenten, die vor oder während der Infusion gegeben werden, sowie einer Reduktion der Infusionsgeschwindigkeit vorgebeugt werden. Neben den infusionsbedingten Reaktionen können bei der EET weitere Nebenwirkungen auftreten, die meist gut behandelbar sind. Betroffene sollten sich diesbezüglich an ihr Behandlungsteam wenden.
Eine Herausforderung der EET stellen sogenannte neutralisierende Antikörper dar. Hierbei handelt es sich um Abwehrstoffe des Immunsystems, die in manchen Fällen als Reaktion auf die künstlich hergestellte α-GalA vom Körper produziert werden. Die neutralisierenden Antikörper verursachen zwar keine neuen Beschwerden, sie können aber die Wirkung der EET herabsetzen. Bei Männern mit der klassischen Form des Morbus Fabry, die keine körpereigene α-GalA produzieren, ist das Risiko, dass sich neutralisierende Antikörper bilden, am größten.18
Was ist eine Chaperontherapie?
Die Chaperontherapie bietet für bestimmte Patient*innen eine alternative Möglichkeit, die Krankheitsursache direkt zu behandeln. Bei manchen Menschen mit Morbus Fabry ist das Erbgut, also der Bauplan für das Enzym α-GalA, so verändert, dass sich das Eiweiß nicht in seine korrekte dreidimensionale Struktur falten kann. Dadurch wird dessen Transport vom Herstellungsort in der Zelle zu den Lysosomen verhindert und es kann dort nicht seine Aufgabe erfüllen. Bei der Chaperontherapie bindet der Wirkstoff, das Chaperon, an die α-GalA, korrigiert deren Fehlfaltung oder stabilisiert sie. So kann das Enzym in die Lysosomen transportiert werden, wo sich das Chaperon ablöst und die α-GalA ihre Funktion ausführen kann.19
Die Chaperontherapie ist in Europa seit 2016 für Patient*innen mit einem Mindestalter von zwölf Jahren zugelassen. Sie kann jedoch nur bei Betroffenen mit bestimmten Mutationen im Gen der α-GalA eingesetzt werden.20 Ob eine solche Mutation vorliegt, wird mithilfe einer Genanalyse untersucht, welche im Rahmen der Diagnosestellung durchgeführt wird.
Welche Besonderheiten gibt es bei der Anwendung der Chaperontherapie?
Ebenso wie die EET muss die Chaperontherapie ein Leben lang angewendet werden, da bei einer Beendigung das funktionstüchtige Enzym fehlen und sich die Fettstoffe erneut ansammeln würden. Anders als bei der EET handelt es sich bei der Chaperontherapie aber um eine Behandlung in Form von Kapseln. Dabei wird jeden zweiten Tag zur gleichen Uhrzeit eine Kapsel eingenommen. Zusätzlich ist zu beachten, dass die Einnahme nicht innerhalb von zwei Stunden vor oder nach einer Mahlzeit erfolgen soll.16
Welche Nebenwirkungen können bei der Chaperontherapie auftreten?
Die häufigsten Nebenwirkungen der Chaperontherapie sind Kopfschmerzen. Etwa jede zehnte behandelte Person kann davon betroffen sein. Daneben können weitere unerwünschte Reaktionen auftreten, die meist gut behandelbar sind. Betroffene sollten sich diesbezüglich an ihr Behandlungsteam wenden.16
Wie sieht die Begleittherapie aus?
Die bei Morbus Fabry infolge der Schädigungen an Geweben und Organen auftretenden Beschwerden können zusätzlich unabhängig von der eigentlichen Krankheitsursache behandelt werden. Beispielsweise können verschiedene Wirkstoffarten für die Linderung von chronischen oder phasenweise auftretenden Schmerzen eingesetzt werden.21,22 Spezialisierte Schmerztherapeut*innen sind Expert*innen auf diesem Gebiet und stellen eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene dar.13
Funktionsstörungen der Nieren werden ebenfalls zusätzlich mit Medikamenten behandelt. Sind die Schäden jedoch so groß, dass die Nierenfunktion unzureichend ist, kann eine regelmäßige Dialyse oder eine Nierentransplantation erforderlich sein.21,22
Um Herzerkrankungen vorzubeugen bzw. zu behandeln, können Medikamente zur Blutdruckkontrolle sowie zur Reduktion von Fettstoffen (Lipiden) und zur Hemmung der Blutgerinnung nötig sein. Letztere dienen auch der Vorbeugung von Schlaganfällen.21,22
Auch für Beschwerden des Verdauungstraktes und der Atemwege gibt es medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Bei einer Einschränkung des Hörvermögens können wiederum Hörgeräte helfen.22
Eine wichtige Rolle spielt zudem die psychologische Beratung und Behandlung, da bei Menschen mit Morbus Fabry nicht selten auch depressive Verstimmungen auftreten können.22 Hilfreiche Informationen hierzu sind unter psychosoziale Unterstützung zusammengefasst.
Welche Nebenwirkungen können bei der Begleittherapie auftreten?
Für die Behandlung der Symptome und Folgeerkrankungen kann eine Vielzahl von Wirkstoffen eingesetzt werden, die sich in ihrer Wirkweise stark unterscheiden. Jedes dieser Medikamente weist ein eigenes Spektrum an möglichen Nebenwirkungen auf. Hierzu berät das Behandlungsteam und der*die Apotheker*in.
Grundsätzlich gilt, dass bei der Erstellung des Therapieplans die Vorteile und möglichen Risiken einer Behandlung immer sorgfältig gegeneinander abgewogen werden sollten.
Wie kann die Lebensweise die Therapie unterstützen?
Patient*innen mit Morbus Fabry können mithilfe einiger einfacher Maßnahmen im Alltag den Erfolg der Behandlung positiv beeinflussen und ihr Wohlbefinden verbessern:13,22
Schmerz-Episoden kann durch Vermeidung von körperlicher Überanstrengung, Stress, Übermüdung und extremen Temperaturen vorgebeugt werden. Bei großer Hitze können Klimaanlagen, Kühlwesten und kühlende Gesichtssprays hilfreich sein. Zudem ist es wichtig, ausreichend zu trinken.
Beschwerden des Verdauungstrakts können durch kleinere, häufigere Mahlzeiten und einen erhöhten Verzehr von Ballaststoffen reduziert werden.
Die Nierenfunktion kann durch eine salz- und eiweißarme Ernährung unterstützt werden.
Zur Vorbeugung von Lungen- und Herzerkrankungen ist es wichtig, nicht zu rauchen.
Können Betroffene an Studien teilnehmen?
Um die Erkrankung Morbus Fabry besser zu verstehen und die Behandlungsmöglichkeiten zu optimieren, wird intensiv Forschung betrieben. Dazu gehört auch die Durchführung von klinischen Studien. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, an einer solchen Studie teilzunehmen. Informationen hierzu bieten die spezialisierten Fabry-Zentren an.
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