Diagnose
Diagnose
So wird LHON festgestellt
Für Augenärzt*innen ist es oft nicht leicht, LHON zu erkennen, weil es sich um eine sehr seltene Erkrankung handelt und es verschiedene andere Erkrankungen gibt, mit denen LHON leicht verwechselt werden kann.1 Zur Diagnose werden daher unterschiedliche augenärztliche Untersuchungen durchgeführt, von denen wir einige im Folgenden näher erläutern.
Funduskopie
Bei einer Funduskopie wird der Augenhintergrund untersucht. Dazu gehören die Netzhaut, die Austrittsstelle des Sehnervs sowie die Blutgefäße. Je nachdem, in welchem Krankheitsstadium sich der*die Patient*in befindet, zeigt sich den Ärzt*innen ein anderes Bild.1
Optische Kohärenztomographie
Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist ein nicht invasives Verfahren, bei dem Bilder der Netzhaut im Auge gemacht werden. Diese Methode hilft, verschiedene Augenerkrankungen zu erkennen. Dabei wird ein schwaches Laserlicht verwendet, um die Netzhaut abzubilden. Die Untersuchung ist schmerzfrei. Sie wird genutzt, um die Dicke und die feinen Strukturen der Netzhautschichten zu beurteilen.
Bei der Krankheit LHON kann man mit der OCT je nach Krankheitsphase verschiedene Veränderungen feststellen, wie zum Beispiel die Abnahme der Dicke der Zellschicht der retinalen Ganglienzellen in der Netzhaut im Laufe der Zeit.
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Visuell evozierte Potenziale
Mithilfe dieser Methode wird die Leitfähigkeit von Nervenbahnen im Auge festgestellt. Der zu untersuchenden Person werden hierbei verschiedene visuelle Reize gezeigt, z. B. ein Schachbrettmuster oder Lichtblitze. Gleichzeitig wird über am Kopf befestigte Elektroden die elektrische Aktivität des Gehirns abgeleitet und aufgezeichnet – wie bei einem Elektroenzephalogramm (EEG).6 Bei LHON-Patient*innen zeigen sich im Vergleich zu gesunden Personen starke Unterschiede in den gemessenen Signalen, was auf eine Störung der Sehbahn hindeutet.6,7 Diese Unterschiede entstehen dadurch, dass bei LHON-Patient*innen die Nervenzellen der Netzhaut (retinale Ganglienzellen), die für die Weiterleitung von optischen Signalen ans Gehirn verantwortlich sind, nicht richtig funktionieren können.1
Da LHON leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden kann, können neben den augenärztlichen Untersuchungen auch weitere Methoden herangezogen werden. Für diese Differenzialdiagnostik, also die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen, können neurologische Untersuchungen herangezogen werden:8 Um beispielsweise eine Sehnerventzündung (Optikusneuritis) als Symptom von Multipler Sklerose (MS) auszuschließen, wird eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes und der Augenhöhlen und eine Untersuchung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquorpunktion) durchgeführt.8,9 Eine Elektroenzephalographie (EEG) kann ebenfalls hilfreich sein.8,9
LHON und Optikusneuritis
Die Optikusneuritis, eine Entzündung des Sehnervs, ist die wichtigste Differenzialdiagnose von LHON.8 Anhand verschiedener Aspekte können sich die beiden Krankheitsbilder in der Regel gut voneinander unterscheiden lassen. Bei der Optikusneuritis betrifft der Sehverlust typischerweise nur ein Auge, zudem haben die Patient*innen Schmerzen beim Bewegen der Augen. Bei ca. 90 % der Patient*innen gehen die Symptome einer Optikusneuritis meist auch ohne Behandlung wieder zurück.10,11 Eine Optikusneuritis tritt außerdem häufig im Zusammenhang mit MS auf.10
Zur Abklärung, ob neben den Augen weitere Organe betroffen sind, ziehen Augenärzt*innen zur Diagnostik auch Kolleg*innen aus der HNO-Medizin, Endokrinologie oder Kardiologie hinzu.8
Eine laborchemische Diagnostik gibt mittels eines Blutbildes z. B. Aufschluss über Leber- und Nierenwerte sowie den Hormon- und Vitaminstatus.8 Auf diese Weise können zum Beispiel Schäden am Sehnerv, die durch Giftstoffe oder Ernährungsmängel wie Vitamin B12-Mangel verursacht werden, ausgeschlossen werden.12
Die genetische Diagnostik bestätigt die klinische (Verdachts-)diagnose LHON letztlich genetisch durch den Nachweis von Mutationen.1 Die ausführliche Untersuchung schließt auch eine Familienanamnese mit ein. Wenn weitere Familienmitglieder an LHON erkrankt sind, kann sich in der Stammbaumanalyse bereits ein Vererbungsschema zeigen.8
Genetische Diagnostik
Die Ursache von LHON liegt in einer Veränderung des Erbmaterials (Mutation) an verschiedenen möglichen Stellen. Die Mutationen können im Erbgut der Mitochondrien (mitochondrialen DNA) oder im Erbgut der Zellen (nukleären DNA) auftreten. Mehr dazu lesen Sie hier.
Eine solche Mutation wird heutzutage in der Regel über zwei verschiedene Methoden nachgewiesen:
Next Generation Sequencing (NGS) ist eine übergeordnete Methode zur Untersuchung der mitochondrialen und der nukleären DNA, die verschiedene Analysen ermöglicht, wie z. B. die Exomsequenzierung und die Gen-Panel-Diagnostik. Während die Exom-Sequenzierung alle kodierenden DNA-Bereiche untersucht, konzentriert sich die Gen-Panel-Diagnostik auf zuvor definierte Gene. Damit können gezielt seltene Mutationen, wie sie bei LHON vorkommen, identifiziert werden.2,4
Welches Probenmaterial ist erforderlich?8
Als Probenmaterial für die genetische Diagnostik von LHON wird üblicherweise Blut abgenommen. In speziellen Fällen können auch Gewebeproben wie beispielsweise Material aus der Mundschleimhaut, Zellen aus dem Urin oder Fibroblasten aus der Haut für die Diagnose herangezogen werden.
Bevor Ihr Erbmaterial analysiert wird, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie über das Vorgehen auf und holt Ihre Einwilligung ein.
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- Neurologisches Versorgungszentrum Hochsauerland. Visuell evozierte Potenziale(VEP); unter: https://www.neurologie-hsk.de/diagnostik/evozierte-potenziale/visuell-evozierte-potenziale/ (zuletzt aufgerufen Februar 2022).
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