Therapie und Nebenwirkungen

Die Therapie der Alpha-Mannosidose besteht sowohl aus der Behandlung der verschiedenen Krankheitssymptome als auch aus kausalen Therapieansätzen. Hier wird versucht die Ursache der Krankheit zu beseitigen. Durch das multisystemische Erkrankungsbild müssen dabei viele verschiedene medizinische Bereiche in die Behandlung miteinbezogen werden.

Symptomatische Behandlung

Um Patient*innen mit Alpha-Mannosidose vollumfänglich zu therapieren ist ein Expertenteam aus Bereichen wie der Otolaryngologie (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde), Logopädie oder Orthopädie nötig. In folgender Tabelle ist eine Übersicht möglicher Therapieansätze in den verschiedenen medizinischen Gebieten dargestellt.1

Tab.1: Mögliche Therapieansätze verschiedener medizinischer Disziplinen. Erstellt nach 1.
InfektiologieOtolaryngologieLogopädieOrthopädie
  • Frühzeitiger Antibiotika-Einsatz bei bakteriellen Infektionen
  • Verabreichung empfohlener Impfungen
  • Einsatz von Paukenröhrchen bei rezidivierenden Otitiden
  • Versorgung mit Hörgeräten
  • Logopädische Therapie zur Unterstützung der Sprachentwicklung
  • Physiotherapie
  • Versorgung mit Hilfsmitteln
  • Orthopädische Operationen

Außerdem sollten präventive Maßnahmen eingeleitet werden, um eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes Betroffener zu verhindern. Dazu gehören neben prophylaktischen Impfungen auch regelmäßige körperliche Untersuchungen, die Kontrolle des Wachstums und neurophysiologische Tests. Dabei wird stets dokumentiert, ob Depressionen, Fatigue (Müdigkeit & Erschöpfung), Infektionen, Gewichtsverlust, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder andere Änderungen des Gesundheitszustandes bei den Patient*innen auftreten.2

Kausale Therapieansätze

Bisher stehen zwei verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, um die Alpha-Mannosidose spezifisch zu behandeln:

  1. Hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSZT) 
    Bei der HSZT werden gesunde Spenderzellen, die das Enzym Alpha-Mannosidase sekretieren können, in das Empfängergewebe transplantiert. Diese Therapieoption wird vor allem bei sehr jungen Patient*innen unter 3 Jahren empfohlen, da hier die Erkrankung des Nervensystems noch nicht allzu stark fortgeschritten ist. Durch eine HSZT können neurokognitive Funktionen erhalten und ein Fortschreiten der Krankheit verhindert werden.1-3

    Eine HSZT geht allerdings mit gewissen Risiken einher. So steigt beispielsweise die Wahrscheinlichkeit, eine sogenannte Graft-versus-Host-Reaktion (eine Abwehrreaktion) zu erleiden. Es hat sich gezeigt, dass vor allem bei älteren Patient*innen Komplikationen auftraten. Der Nutzen des Verfahrens sollte vor einer Behandlung stets mit den Risiken abgewogen werden.1-3
     
  2. Enzymersatztherapie (EET) 
    Durch einen Enzymersatz wird der fehlende lysosomale Abbau mannosereicher Oligosaccharide korrigiert. Das defekte Enzym Alpha-Mannosidase wird dabei durch ein biotechnologisch hergestelltes Enzym ersetzt und die Ansammlung der Oligosaccharide (Mehrfachzucker/Kohlenhydrate) in den Lysosomen somit reduziert. Durch die EET können die motorische Funktion, die Lungenfunktion und das immunologische Profil Betroffener verbessert werden. Da bei der EET die Blut-Hirn-Schranke nicht überwunden wird, ist nicht davon auszugehen, dass Auswirkungen auf neurologische Manifestationen oder eine Beeinträchtigung kognitiver Funktionen auftreten.1,4-8 Häufig auftretende Nebenwirkungen umfassen moderate Symptome wie Gewichtszunahme, Diarrhoe oder Kopfschmerzen.
 Referenzen 
Referenzen:
  1. Malm D, Nilssen Ø. Alpha-mannosidosis. Orphanet J Rare Dis 2008;3:21.
  2. Malm D, Nilssen Ø. Alpha-Mannosidosis. NCBI. 2019. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK1396/ (Zuletzt aufgerufen: Mai 2022).
  3. Grewal SS et al. J Pediatr 2004;144:569-573.
  4. Borgwardt et al. J Inherit Metab Dis. 2018.
  5. Lund AM. et al. J Inherit Metab Dis. 2018.
  6. Harmatz P. et al. Mol Genet Metab. 2018.
  7. Ardigò D. et al. J Inborn Err Metab Screening; 2016.
  8. Guffon N, Konstantopoulou V, Hennermann JB, et al. J Inherit Metab Dis. 2023.
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