Schwangerschaft & Familienplanung
Schwangerschaft & Familienplanung
Eine lebenswerte Entscheidung
Eine Schwangerschaft mit Beta-Thalassämie ist grundsätzlich möglich, erfordert jedoch eine gute Vorbereitung und engmaschige medizinische Begleitung. Frauen mit dieser Bluterkrankung können besonderen Herausforderungen gegenüberstehen, da sowohl ihre eigene Gesundheit als auch die ihres Kindes während der Schwangerschaft gefährdet sein können. Deshalb ist es wichtig, eine Schwangerschaft frühzeitig zu planen und sich von erfahrenen Ärzt*innen aus der Hämatologie und Gynäkologie betreuen zu lassen. Mit einer sorgfältigen Überwachung vor, während und nach der Schwangerschaft können viele gesundheitliche Risiken reduziert und die bestmöglichen Voraussetzungen für eine sichere Schwangerschaft und Geburt geschaffen werden.1
Herausforderungen für Mutter und Kind während Schwangerschaft & Geburt
Viele Frauen mit einer Beta-Thalassämie haben Schwierigkeiten, schwanger zu werden, da ihr Eisprung unregelmäßig oder gar nicht stattfindet. In solchen Fällen kann eine Behandlung in einer endokrinologischen Praxis helfen. Dort kann eine Hormontherapie eingesetzt werden, um den Eisprung auszulösen und die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.2
Während der Schwangerschaft kann sich die Anämie (Blutarmut) der Mutter verschlimmern, da ihr Körper mehr Blut benötigt, um das Baby ausreichend zu versorgen. Dies kann zu starker Müdigkeit, Schwäche und Kreislaufproblemen führen. Zudem kann die erhöhte Belastung des Körpers das Herz überfordern, wodurch das Risiko für Herzprobleme steigt.1
Auch für das Baby bestehen Risiken. Durch eine unzureichende Sauerstoffversorgung können Herzprobleme entstehen. Zudem besteht die Gefahr einer Frühgeburt – in diesem Fall kann das Baby mit einem niedrigem Geburtsgewicht zur Welt kommen, und einige Körperfunktionen sind möglicherweise noch nicht vollständig entwickelt.1
Kann die Beta-Thalassämie vererbt werden?
Falls beide Elternteile Träger der Beta-Thalassämie sind, kann die Erkrankung vererbt werden. Wie hoch das Risiko ist, hängt von der Art der Beta-Thalassämie ab, die die Eltern tragen. Eine genetische Beratung kann Auskunft darüber geben, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Krankheit an das Kind weitergegeben wird.1 Bei einer bestehenden Schwangerschaft kann das ungeborene Kind durch eine Pränataldiagnostik auf das veränderte Hämoglobin-Gen untersucht werden. Dadurch kann festgestellt werden, ob das Baby Beta-Thalassämie hat.1,3
Planung der Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft mit Beta-Thalassämie major erfordert eine sorgfältige Planung und medizinische Betreuung.1 Aber auch eine Schwangerschaft mit den milderen Verlaufsformen der Beta-Thalassämie ist nicht ganz risikofrei. Schwangere mit einer Thalassaemia minor z. B. haben ein erhöhtes Risiko, eine Schwangerschaftsanämie zu entwickeln.4
Vor der Schwangerschaft sollten Herzfunktion und Eisenbelastung überprüft werden. Eine Schwangerschaft ist erst ratsam, wenn die Eisenwerte des Körpers gut eingestellt sind, insbesondere die des Herzens. Dies kann z. B. durch eine Chelattherapie erreicht werden.5
Schwangere mit Beta-Thalassämie sollten möglichst frühzeitig an eine Entbindungsklinik angebunden werden.2 Während der Schwangerschaft ist das Fortsetzen der Transfusionstherapie möglich, wobei der Transfusionsbedarf steigen kann.5 Eine Chelattherapie kann Risiken für das Baby bergen. Ob und wann diese angewendet werden sollte, entscheidet daher die behandelnde Ärztin oder der Arzt. Zusätzlich sind regelmäßige Herz- und Blutzuckerkontrollen wichtig, um Risiken wie Herzprobleme oder Diabetes frühzeitig zu erkennen.6
In der Stillzeit kann die Chelattherapie fortgesetzt werden, da sie dem Baby nicht schadet.5
- Hebamme Franziska Zedler. Thalassämie & Schwangerschaft: Infos & Planung. online verfügbar unter: https://heb-franziska-zedler.de/thalassamie-schwangerschaft/ (Zuletzt aufgerufen März 2025).
- Chiesi GmbH. Thalassämie. Der Ratgeber zu der genetisch bedingten Erkrankung mit Blutarmut - für Betroffene und Angehörige.
- Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie und Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Thalassämien S1-Leitlinie. AWMF Register Nr. 025/017. Version 6. Stand 02.2023.
- White JM et al. Thalassemia trait and pregnancy. J Clin Pathol. 1985; 38(7):810-7.
- Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. Beta Thalassämie.
- Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH). S2k‐Leitlinie Diagnostik und Therapie der sekundären Eisenüberladung bei Patienten mit angeborenen Anämien.